Hochsensibel führen heißt nicht: nett sein
„Du bist so empathisch.“
„Bei dir fühlt man sich gesehen.“
„Du kannst Menschen einfach.“
Das sind Komplimente. Und gleichzeitig eine Falle.
Denn viele hochsensible Führungskräfte übersetzen „empathisch“ automatisch in „nett“.
Und nett ist in Führung ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm im Orkan: Es fühlt sich nach Schutz an. aber du wirst trotzdem nass.
Nettigkeit ist kein Führungsstil. Sie ist oft ein Konfliktvermeidungsprogramm
Nett sein heißt häufig:
Dinge weich verpacken, damit niemand sich schlecht fühlt
Konflikte nicht zu früh ansprechen („ist doch nicht so schlimm“)
Entscheidungen erklären, entschuldigen, relativieren
Stimmungen ausgleichen, statt Strukturen zu klären
Das wirkt zunächst harmonisch. Aber langfristig passiert etwas Unschönes:
Dein Team lernt nicht Klarheit. Es lernt, dass du Unklarheit pufferst.
Und du? Du wirst innerlich müde.
Wenn du genau das kennst: Lies später unbedingt auch den Blogartikel: Warum hochsensible Führungskräfte selten ausbrennen, sondern innerlich kündigen (weil „nett“ oft der direkte Zubringer dahin ist).
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Forschung: Menschen beurteilen Führung entlang von Wärme und Kompetenz
In der Sozialpsychologie gibt es einen robusten Befund: Wir beurteilen Menschen (und besonders Führung) entlang von zwei Grunddimensionen – Wärme (warmth) und Kompetenz (competence). ScienceDirect
Wenn du als Führungskraft warm bist, aber nicht als kompetent/klar wahrgenommen wirst, entsteht ein bestimmtes Muster: Du wirst gemocht, aber nicht immer ernst genommen.
Und andersrum: Nur Kompetenz ohne Wärme wirkt kalt und erzeugt Distanz.
Die Punktlandung ist nicht „nett“.
Die Punktlandung ist: warm + klar.
Es gibt dazu auch organisationsbezogene Forschung, die zeigt, dass wahrgenommene Wärme und Kompetenz bei Führungskräften mit Mitarbeitenden-Outcome zusammenhängen (u. a. Wohlbefinden, Commitment, geringere Burnout-/Wechselabsichten). ResearchGate+1
Übersetzt in Gedankenakrobaten-Deutsch:
Wärme ist die Tür. Klarheit ist der Rahmen. Ohne Rahmen wird Wärme zur offenen Flanke.
Durchsetzung ohne Härte: Klarheit ist kein Charakterzug, sondern eine Entscheidung
Viele Hochsensible haben einen inneren Satz, der heimlich alles steuert:
„Wenn ich klar bin, verletze ich.“
Nein.
Wenn du unklar bist, verletzt du auch – nur langsamer.
Denn Unklarheit erzeugt bei anderen:
Interpretationsspielräume
Gerüchte
Missverständnisse
verdeckte Konflikte
Und dann bist du wieder da: im Reparaturmodus.
Klarheit in Führung heißt nicht, laut zu werden.
Klarheit heißt:
Erwartungen präzise machen
Entscheidungen begründen, aber nicht zerreden
Grenzen setzen, ohne Drama
Wenn du gerade merkst, dass Grenzen dein Thema sind: Führung ohne Schutzraum ist hier die logische Vertiefung.
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Klarheit ohne Dominanz: Du brauchst keine „Boss-Energie“, du brauchst Kongruenz
Dominanz ist oft eine Strategie, Unsicherheit zu kaschieren.
Hochsensible haben meist das Gegenteil: Sie sind innerlich differenziert und äußern sich zu vorsichtig.
Die Lösung ist nicht „dominanter werden“.
Die Lösung ist kongruenter werden: außen so klar wie innen.
Praktische Mini-Übung (für HSP absolut gold):
Formuliere eine Entscheidung in einem Satz.
Formuliere danach (wenn nötig) die Begründung in zwei Sätzen.
Stopp. Kein dritter Satz.
Du wirst dich dabei erst „hart“ fühlen.
Das ist nur dein Nervensystem, das ungewohnt klare Kanten registriert.
Und damit sind wir beim nächsten Punkt.
Präsenz ohne Lautstärke: Das Nervensystem führt mit
Hochsensibilität wird in der Forschung häufig unter dem Begriff Sensory Processing Sensitivity (SPS) diskutiert – als Temperaments-/Persönlichkeitsmerkmal, das mit tieferer Verarbeitung und stärkerer Reaktivität auf Reize einhergeht. ScienceDirect+1
Es gibt auch neurobiologische Befunde: fMRT-Studien zeigen Zusammenhänge zwischen SPS und Aktivierung in Hirnarealen, die u. a. mit Aufmerksamkeit, Empathie und Verarbeitung sozial-emotionaler Reize zu tun haben. PMC+1
Bedeutet praktisch:
Wenn du führst, führt dein Nervensystem mit.
Und wenn du „nett“ bist, ist das häufig eine unbewusste Regulationsstrategie: Harmonie herstellen, damit du dich sicher fühlst.
Dazu passt als Vertiefung: Das Nervensystem führt mit.
➡️ Das Nervensystem führt mit: Hochsensibilität in Verantwortung – Gedankenakrobaten
Fazit
Hochsensibel führen heißt nicht: nett sein.
Es heißt: warm + klar + begrenzt.
Nettigkeit will, dass niemand sich schlecht fühlt.
Führung will, dass Menschen wissen, woran sie sind.
Wenn du Klarheit willst, ohne dich zu verbiegen (und ohne zur Eiskönigin zu werden):
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Deine Kristin von Gedankenakrobaten®
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