Teamwork? Danke, aber ohne mich!
Wenn du die Chance hast, kein Team zu haben, sie nutzt … aber dich insgeheim nach Kollaboration sehnst.
Es gibt diese Menschen (vielleicht gehörst du dazu), die bei dem Wort Team innerlich leicht zusammenzucken.
Nicht, weil sie asozial wären, sondern, weil sie genau wissen, was passiert, wenn man mehrere Charaktere in einen Raum sperrt und ihnen das Etikett „Wir ziehen an einem Strang“ anklebt.
Spätestens nach zwei Meetings weiß man: Es sind eher mehrere Stränge, verschiedene Richtungen und mindestens ein Knoten.
Und irgendwo dazwischen sitzt du mit deinem analytischen Kopf, deinem feinen Gespür, deinem Scanner-Radar und fragst dich:
„Warum sehen die das nicht? Warum reden die nur, statt zu denken? Und warum muss ich mich schon wieder zurücknehmen, damit es harmonisch bleibt?“
Willkommen im Club der stillen Mit-Denker:innen, die lieber allein Großes bewegen, aber heimlich auf genau das hoffen, was sie vermeiden:
Echtes Teamwork als Verbindung.
Zwischen voller Begeisterung und Rückzugsdrang
Viele Hoch- und Vielbegabte kennen dieses Paradox:
Man liebt das Denken, die Tiefe, das Tempo. Aber sobald ein Team ins Spiel kommt, prallen Welten aufeinander.
Die einen brainstormen, während du längst Konzepte baust.
Die anderen diskutieren ewig, während du längst eine Lösung hast.
Und wenn du sie dann teilst, heißt es: „Wow, spannend, aber lass uns das nochmal in der Gruppe besprechen.“
Autsch.
Kein Wunder, dass so viele Scanner-Persönlichkeiten irgendwann beschließen: „Ich arbeite lieber allein. Da ist wenigstens Effizienz garantiert.“
Doch was, wenn genau das, was dich so oft triggert, dein größter Entwicklungsmotor ist?
Motivkompass im Team oder warum dich der “Blaue” triggert, wenn du “Rot” bist
Lass uns kurz die Motivbrille aufsetzen (keine Sorge, kein Psycho-Kauderwelsch):
Nach Dirk Eilert zeigt der Motivkompass, dass wir Menschen aus unterschiedlichen Antriebssystemen heraus handeln – grob gesagt:
Rot: Wirksamkeit & Einfluss: Wir wollen gestalten, führen, bewegen.
Gelb: Leichtigkeit & Freude: Wir wollen inspirieren, begeistern, verbinden.
Grün: Harmonie & Zugehörigkeit: Wir wollen Harmonie, Verlässlichkeit, Miteinander.
Blau: Struktur & Kompetenz. Wir wollen verstehen, strukturieren, absichern.
Im Team treffen diese Motive frontal aufeinander.
Der Rote will machen, der Blaue will prüfen, der Gelbe will reden, der Grüne will alle mitnehmen.
Und du? Du willst einfach, dass es läuft.
Das Spannende: Wir brauchen alle vier Richtungen.
Nur, wenn sie sich gegenseitig ergänzen statt bekämpfen, entsteht kollektive Intelligenz, das, was in Hochglanzbroschüren „Teamspirit“ heißt, in der Realität aber meist eher nach Gruppentherapie riecht.
Warum du dich im Team oft fehl am Platz fühlst
Wenn du hochsensibel oder vielbegabt bist, nimmst du Stimmungen, Zwischentöne und Ungereimtheiten schneller wahr als andere.
Das ist ein Geschenk und gleichzeitig eine ständige Reizüberflutung.
Während andere noch diskutieren, hast du längst drei Metaebenen erkannt, vier unausgesprochene Spannungen gespürt und dir überlegt, wie man das lösen könnte, ohne dass es jemand merkt.
Aber genau da liegt das Dilemma:
Du arbeitest emotional und kognitiv auf Hochleistung, während die Gruppe noch in der Aufwärmphase ist.
Das kostet Energie und führt oft zu Rückzug.
Weil du dich in deiner Tiefe nicht verstanden fühlst.
Doch stell dir vor, du würdest diese Fähigkeit nicht als Störfaktor sehen, sondern als Kompetenz für das Ganze.
Vom Einzelkämpfer zum Impulsgeber
Vielleicht musst du gar nicht „Teamplayer“ werden. Vielleicht reicht es, wenn du bewusst deinen Platz einnimmst.
Nicht jede:r ist die laute Stimme in der Runde.
Manche sind die leisen Architekt:innen der Ideen.
Manche halten Energien im Gleichgewicht, andere bringen sie in Bewegung.
Wenn du lernst, deinen Stil der Zusammenarbeit zu kennen und die der anderen zu erkennen, wirst du plötzlich frei:
Du musst dich nicht mehr verbiegen, um dazuzugehören.
Du kannst wirken, weil du anders bist.
Und ja: Auch ich kenne das.
Ich war jahrelang die, die dachte, dass Teams mich ausbremsen.
Heute weiß ich: Sie bringen mich dahin, wo ich allein nie hinkäme – in Beziehung, in Reibung, in Resonanz.
Und das ist der Ort, an dem Wachstum passiert.
Reflexionsfragen für dich
In welchen Team-Situationen spürst du inneren Widerstand – und was genau triggert dich?
Welche deiner Stärken (z. B. Analyse, Empathie, Kreativität, Struktur) kommen im Team zu kurz, weil du sie nicht zeigst?
Mit welchem Motivkompass-Typ (Rot, Gelb, Grün, Blau) kommst du leicht in Flow und wer bringt dich regelmäßig an deine Grenzen?
Welche Art von Team brauchst du, um dich sicher und inspiriert zu fühlen?
Und vielleicht die ehrlichste Frage:
Wann hast du das letzte Mal zugelassen, dass dich jemand wirklich unterstützt?
Praktische Impulse
💡 1. Benenne dein Bedürfnis, bevor du es bewertest.
„Ich brauche Struktur“ ist kein Kontrollzwang. „Ich brauche Freiraum“ ist keine Ego-Nummer.
💡 2. Wähle bewusst deine Rolle.
Nicht jede:r muss führen. Aber jede:r kann Verantwortung übernehmen für die eigene Wirkung.
💡 3. Nutze dein Anderssein als Beitrag.
Wenn du schnell denkst, hilf anderen, Muster zu erkennen. Wenn du tief fühlst, hilf, Spannungen sichtbar zu machen.
💡 4. Trainiere Toleranz für Vielfalt.
Nicht jede Unordnung ist Chaos. Nicht jede Struktur ist Kontrolle. Es ist einfach eine andere Sprache.
💡 5. Pflege Mini-Momente von Kooperation.
Ein ehrliches Feedback, eine geteilte Idee, ein offenes „Wie siehst du das?“. Das reicht oft, um Nähe zuzulassen, ohne dich zu verlieren.
Fazit: Der Mix macht’s auch in uns selbst
Vielleicht ist das perfekte Team gar nicht da draußen, sondern in dir.
In deinem inneren Rot, das gestalten will.
In deinem Gelb, das inspiriert.
In deinem Grün, das verbindet.
Und in deinem Blau, das Struktur schenkt.
Wenn du lernst, diese inneren Stimmen miteinander in Dialog zu bringen, kannst du auch im Außen klarer, gelassener und wirkungsvoller agieren – selbst in Teams, die nicht perfekt sind.
Denn:
Führung beginnt da, wo es unbequem wird. Genau dort fängt Wirkung an.
Deine Kristin von #Gedankenakrobaten









